Würzöl selber machen
Wie Würzöl selber machen? Ausführliche Infos über die möglichen Zutaten und die Filterung. Außerdem zwei Schritt für Schritt Rezepte für selbst gemachtes Würzöl Olive Zitrone und ein Würzöl für Pizza.
Inhaltsverzeichnis:
Würzöl, also Speiseöl mit Aromen von zum Beispiel Zitrone, Knoblauch, Bärlauch oder Chili können Sie einerseits im Handel fertig erwerben, andererseits aber auch ganz einfach selber machen. Der Hauptunterschied ist, dass das gekaufte Würzöl standardisiert ist und sich geschmacklich nicht ändert. Bei selbst gemachtem hingegen bestimmen Sie selbst nach was es genau schmecken soll.
Abgesehen vom Geschmack werden bei industriell hergestelltem Würzöl oft Aromen eingesetzt. Sie arbeiten stattdessen beim selber machen mit den entsprechenden Zutaten, die in Öl eingelegt und nach der Ziehzeit wieder herausgefiltert werden. Und letztlich liegt noch ein Unterschied in der Haltbarkeit.
Denn industriell hergestelltes Würzöl ist meist auf eine höhere Haltbarkeit ausgelegt, wie wenn Sie selbst die verschiedensten Zutaten in Öl einlegen. Wobei es hier wiederum auf das Basisöl ankommt mit dem Sie arbeiten, denn jedes Speiseöl ist geöffnet unterschiedlich lang haltbar. Und natürlich auch darauf, wie gut Sie die Zutaten herausfiltern, denn Rückstände im Würzöl können die Haltbarkeit auch drastisch reduzieren.
Zutaten für Würzöl
Beim Würzöl selber machen bestimmen Sie selbst welche Zutaten in welcher Form Sie verwenden. Doch gibt es dabei auch einiges zu beachten, damit Ihr selbst gemachtes Würzöl nicht an der Haltbarkeit scheitert und schneller schlecht wird, als Sie es verbrauchen können.
Am wichtigsten ist das Basisöl, das Sie für Ihr Würzöl verwenden. Natürlich ist es toll mit einem nativen Speiseöl zu arbeiten, doch haben gerade diese Öle oft geöffnet eine wesentlich kürzere Haltbarkeit als raffinierte Öle. Von dieser müssen Sie dann noch die Ziehzeit abziehen, also die Zeit, die Ihr Würzöl braucht, um den entsprechenden Geschmack bestmöglich aufgenommen zu haben.
Ein gutes Beispiel hierfür ist natives Sonnenblumenöl, das geöffnet eine Haltbarkeit von ca. 4 Wochen hat. Wird die Reifezeit von 2 bis 4 Wochen, je nach Zutaten, davon abgezogen, dann sehen Sie auf einem Blick, dass das selbst gemachte Würzöl schneller schlecht werden kann, als Sie es höchstwahrscheinlich verbrauchen können.
Überblick über die ungefähre Haltbarkeit von verschiedenen geöffneten Speiseölen:
- Natives Olivenöl Extra, ca. 3 Monate
- Raffiniertes Maiskeimöl, ca. 3 Monate
- Raffiniertes Rapsöl, ca. 5 Monate
- Raffiniertes Olivenöl, ca. 6 Monate
- Natives Avocadoöl, ca. 6 Monate
- Raffiniertes Erdnussöl, ca. 8 Monate
Sie sehen, die Haltbarkeit von geöffneten Speiseölen kann sehr unterschiedlich sein. Aber natürlich unterscheiden Sie sich auch im Geschmack. Bei raffinierten Speiseölen ist es fast "Jacke wie Hose", welches Sie verwenden, denn alle sind relativ geschmacksneutral. Im Gegensatz dazu stehen die kaltgepressten Speiseöle, die nach dem Ausgangsmaterial, wie z.B. Oliven bei Olivenöl, schmecken.
Andere kaltgepresste Öle, wie zum Beispiel Sonnenblumenöl, oder Leinöl sind in der Auflistung nicht enthalten, da ihre Haltbarkeit nach Anbruch bei ca. 4 Wochen liegt, Walnussöl bei ca. 8 Wochen. Natives Sesamöl käme noch in Frage mit einer Haltbarkeit nach Anbruch von ca. 3 Monaten. Auch natives Kokosöl, das nach Anbruch mit einer Haltbarkeit von ca. 6 Monaten glänzt. Nur müssen solche kaltgepressten Öle auch geschmacklich zu dem von Ihnen gewünschten Würzöl Ergebnis passen.
Und natürlich könnten Sie ihr Basisöl auch selbst mit der entsprechenden Ölpresse herstellen. Sie benötigen zum Beispiel für 1 Liter Olivenöl ca. 5 Kilogramm Oliven. Für 1 Liter Walnussöl ca. 2,5 Kilo geschälte Walnusskerne. Wenn Sie nicht über eine entsprechende Ernte aus eigenem Anbau verfügen, preislich eine ziemliche Hausnummer.
Dann brauchen Sie natürlich noch die Würz-Zutaten für Ihr selbst gemachtes Würzöl. In Frage kommen frische Kräuter, Gewürzzutaten wie Knoblauch, Chili oder Zwiebeln, einige Schalen von Obstsorten, Nüsse und Kerne. In Betracht kommen noch Lebensmittelaromen auf Ölbasis sowie ätherische Öle, die für die Lebensmittelverwendung zugelassen sind.
Der Grund dafür ist, dass Sie Zutaten brauchen, die ihr Aroma verlässlich an Öl abgeben, also in Form von ätherischen Ölen oder fettlöslichen Aromastoffen beinhalten. Kräuter zum Beispiel enthalten ätherische Öle, ebenso wie die Schalen von Zitrusfrüchten. Nüsse und Kerne enthalten sehr viel Fett und geben ebenfalls ihr Aroma an Öl ab, wenn auch langsamer.
Arbeiten Sie nicht mit getrockneten, klein gehackten oder pulverisierten Zutaten wie zum Beispiel Kräutern. Die schwimmen oben und die Geschmacksabgabe ist dadurch nicht zuverlässig gegeben. Außerdem lässt sich Pulver nicht mehr gut genug aus dem Öl filtern, so dass der Haltbarkeit wesentlich beeinträchtigt werden kann.
Auch sollten Sie nicht zu frischem Gemüse und Obst greifen. Sie enthalten kaum fettlösliches Aroma und zudem viel Wasser. Das Wasser vermischt sich nicht mit Öl und lässt sich auch nicht mehr herausfiltern. Es würde Ihr selbst gemachtes Würzöl nur verderben. Ausnahmen hierbei wären die fetthaltigen Oliven und Avocados, die gut Aroma abgeben, aber auch diese sollten Sie getrocknet verwenden, da sie frisch viel Wasser enthalten.
Auch sollten Sie die Würz-Zutaten nicht pürieren, zwar wäre die Geschmacksabgabe deutlich höher, aber zuverlässig gefiltert bekommen Sie Ihr Würzöl nicht mehr. Das wiederum hat erhebliche Auswirkungen auf die Haltbarkeit, die dadurch drastisch sinkt.

Würzöl filtern
Ihr selbst gemachtes Würzöl sollten Sie nach der Reifezeit unbedingt filtern. Natürlich könnten Sie auch die gesamten Zutaten im Öl belassen, aber das beeinträchtigt die Haltbarkeit stark. Denn Stoffe sowie auch Schwebpartikel bringen Wasser wie auch Mikroorganismen wie Schimmel, Hefen und Bakterien ins Würzöl ein. Diese wiederum begünstigen den Verderb.
So ist zum Beispiel ungefiltertes Würzöl ca. 1 bis allerhöchstens 2 Wochen haltbar. Danach ist es schlecht geworden und muss entsorgt werden. Es können sich bereits Schimmel, oder schlimmer noch anaerobe Bakterien gebildet haben, und das kann richtig ungesund werden. Das Würzöl wird weniger schlecht durch Ranzigkeit, sondern durch die verbliebenen Zutaten fast "verseucht".
Werden dagegen alle Zutaten und Schwebpartikel herausgefiltert, hält sich Ihr selbst gemachtes Würzöl wesentlich länger, je nach Haltbarkeit des verwendeten Basisöls. Natürlich spielt es auch eine Rolle, wie gut Sie das Würzöl filtern. Und dabei ist nicht weniger mehr, sondern mehr wesentlich besser als zu wenig.
Besorgen Sie sich zum Filtern am besten Nussmilchbeutel. Auch eine Möglichkeit sind ein Dauerfilter oder Passiertuch. Papier-Kaffeefilter können im Dauerfilter ebenfalls zum Filtern genutzt werden, saugen aber etwas Öl auf.
Für das Filtern von Würzölen nicht ganz so gut geeignet sind Spitzsiebe, Küchen-Haarsiebe, Käsetücher, Geschirrtücher und Mulltücher. Manche davon lassen zuviele Partikel hindurch andere wiederum kaum etwas. Deswegen verzichten Sie beim Würzöl selber machen auf diese alleinigen Filtermethoden und greifen stattdessen zu Nussmilchbeutel, Dauerfilter oder Passiertuch.
Sie sollten mehrere Filterdurchgänge für Ihr selbst gemachtes Würzöl einplanen. Im ersten Schritt filtern Sie das Würzöl zum Beispiel durch ein Küchen-Haarsieb. So entfernen Sie alle groben und großen Zutaten aus dem Würzöl. Im zweiten Schritt filtern Sie mit einem Nussmilchbeutel, um alle Reststoffe und Schwebstoffe aus dem Öl zu entfernen.
Und wenn Sie ein wirklich klares Würzöl anstreben, mit der höchstmöglichen Haltbarkeit, dann kleiden Sie ein kleineres Küchensieb mit einem Papier-Kaffeefilter (z.b. Korbfilter) aus und filtern das Öl ein letztes Mal. Bei diesem Schritt wird zwar etwas Öl vom Papier aufgesogen, dafür wird das damit im letzten Schritt gefilterte Würzöl schön klar.
Würzöl Olive Zitrone selber machen
Mit getrockneten Oliven wird der Olivengeschmack des selbst gemachten Würzöls Olive Zitrone verstärkt. Zitronen- und Limettenschale sorgen für ein frisches, intensives Zitrusaroma. Und die Safranfäden ergänzen eine warme, leicht herbe Würze, die perfekt zu Oliven und Zitronen passt und das Aroma harmonisch abrundet.
Zutaten: 500 Milliliter Natives Olivenöl Extra, 15 Gramm getrocknete Oliven, 3 Gramm getrocknete Zitronenschale (nicht gerieben), die Schale von 1 Bio-Limette, 0,1 Gramm Safranfäden.
In ein sauberes Einmachglas mit Schraub- oder Bügelverschluss geben Sie erst die getrockneten Oliven und die getrocknete Zitronenschale. Achten Sie bei der Zitronenschale darauf, dass sie nicht gerieben, sondern leicht stückig ist, so dass sie später wieder gut herausgefiltert werden kann. Darauf noch die Safranfäden.
Dann nehmen Sie einen Sparschäler und schälen die gewaschene und getrocknete Bio-Limette vorsichtig. Achten Sie darauf, nur die grüne Schale zu schälen, ohne das weiße Innere. Die Schale geben Sie dann zu den anderen Zutaten in das Glas und gießen das kaltgepresste Olivenöl darüber.
Nun schütteln Sie das Glas kräftig durch, so dass sich die Zutaten gut vermischen und vom Öl bedeckt werden. Anschließend stellen Sie das DIY Würzöl dunkel und kühl in den Keller. Dort wird es für die nächsten 2 Wochen bleiben und Sie sollten es 1x täglich gut durchschütteln.
Nach 2 Wochen ist Ihr selbst gemachtes Würzöl Olive Zitrone fertig. Jetzt müssen Sie es nur noch filtern. Schütten Sie es durch ein Küchen-Haarsieb, um die groben Zutaten herauszufiltern. Diese können Sie entsorgen. Für die zweite Filterung verwenden Sie einen Nussmilchbeutel, durch den Sie das Öl filtern, um auch kleine Zutaten und Schwebstoffe zu entfernen.
Das gefilterte Öl füllen Sie in ein bis zwei dunkle Flaschen um, die Sie gut verschließen. Nicht angebrochene Flaschen lagern Sie am besten dunkel und kühl im Keller. Die Flasche, die Sie in Verwendung haben, dunkel und so kühl wie möglich im Küchenschrank oder in der Vorratskammer, je nachdem wo es kühler ist.
Dieses selbst gemachte Würzöl Olive Zitrone hält sich gut gefiltert ca. 2 bis 2,5 Monate je nach Raumtemperatur. Weniger gut gefiltert deutlich kürzer.
Würzöl für Pizza
Erwarten Sie kein typisches Chili-, Knoblauch-, Tomaten- oder Oreganoöl. Denn was schon auf der Pizza liegt muss mit einem Würzöl für Pizza nicht noch ergänzt werden. Deswegen ein etwas anderes Würzöl für Pizza, das hervorragend zu so gut wie jeder Pizza passt.
Die Basis bildet das geschmacksneutrale raffinierte Erdnussöl, das sich vor allem durch seine sehr lange Haltbarkeit nach dem Öffnen auszeichnet. So brauchen Sie sich nicht die nächsten Wochen nur noch von Pizza ernähren, um das selbst gemachte Würzöl aufzubrauchen. Mit getrocknetem Prosciutto Crudo kommt ein herzhaftes Aroma in das Öl, das der würzige Bergkäse ergänzt.
Gerösteter Popcornmais bringt Röstaromen und verhindert, dass das Würzöl einfach nur nach Schinken und Käse schmeckt. Das Tüpfchen auf dem i ist das Trüffel Backaroma auf Ölbasis, das Sie zum Beispiel bei Elli’s Aromen im Internet finden. Ein paar Tropfen davon setzen Akzente, ohne aus dem Würzöl ein Trüffelöl zu machen.
Zutaten: 500 Milliliter raffiniertes Erdnussöl, 50 Gramm frischen Prosciutto Crudo, 40 Gramm Popcornmais, 30 Gramm frische Bergkäse Scheiben, 3 Tropfen Trüffel schwarz Lebensmittelaroma auf Ölbasis (z.B. von Elli’s).
Als erstes stellen Sie aus den Bergkäse Scheiben Käsechips im Backofen her. Schneiden Sie die Scheiben in ca. 4 x 4 cm große Stücke und legen Sie sie auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Backblech. Im Backofen bei 180 Grad Umluft backen Sie die Chips für 10 bis 15 Minuten goldbraun knusprig. Dann lassen Sie die Chips abkühlen.
Als nächstes halbieren Sie die Prosciutto Crudo Scheiben quer und legen auch diese auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Backblech. Bei 100 Grad Umluft trocknen Sie den Prosciutto für ca. 40 Minuten. Er sollte nach dem Auskühlen trocken, fest und brüchig sein.
Während Käse und Schinken auskühlen kümmern Sie sich um den Popcornmais. Diesen geben Sie ohne Fett in eine Pfanne und rösten die Körner bei kleiner bis mittlerer Hitze, bis sie deutlich Röstaroma entwickeln und Farbe annehmen. Dabei dürfen sie nicht so heiß werden, dass sie aufpoppen.
Nach dem Auskühlen geben Sie die Maiskörner in einen Gefrierbeutel und hauen vorsichtig mit dem Hammer darauf, so dass die Körner etwas aufknacken aber nicht zertrümmern oder zerbröseln.
Die abgekühlten Zutaten geben Sie nach und nach in ein 750 ml Einmachglas mit Schraub- oder Bügeldeckel. Erst den Popcornmais, dann den Prosciutto und den Käse. Gießen Sie mit dem fast geschmacksneutralen raffinierten Erdnussöl auf und vergessen Sie vor dem Verschließen nicht, die 3 Tropfen schwarzes Trüffel-Aroma hinzuzufügen.
Schütteln Sie das Glas gut und behutsam, damit sich die Zutaten gut mit dem Basisöl vermischen. Nun stellen Sie es für 2 Wochen dunkel und kühl in den Keller. Schütteln Sie es einmal täglich gut und behutsam durch während der Reifezeit, damit sich die Aromen im Öl bestmöglich entfalten.
Schließlich filtern Sie das Öl erst durch ein Haarsieb, um die groben Zutaten zu entfernen. Im zweiten Schritt filtern Sie das selbst gemachte Würzöl für Pizza mit einem Nussmilchbeutel, um auch kleine Zutatenstücke und Schwebstoffe zu entfernen. Wenn Sie möchten können Sie es für die längstmögliche Haltbarkeit noch ein drittes Mal durch einen Dauerfilter mit Papier-Kaffeefilter filtern.
Das selbst gemachte Würzöl für Pizza füllen Sie in ein oder zwei dunkle Flaschen. Die gerade nicht benötigte Flasche lagern Sie dunkel und kühl im Keller. Die Flasche die Sie im Gebrauch haben, lagern Sie am besten im Kühlschrank. So sollte die Haltbarkeit für dieses Würzöl bei ca. 6 Monaten liegen. Je nachdem wie gut gefiltert wurde und wie trocken Schinken und Käse waren.
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