Spinat aufwärmen: Ja oder Nein?

Darf man Spinat aufwärmen? Hier erfahren Sie was beim Aufwärmen von Spinat passiert, ob und für wen es gefährlich sein kann.

Spinat, das "Hassgericht" vieler Kinder. Wahrscheinlich kommt die Abscheu, die manche Kinder vor dem gesunden Gemüse empfinden von seinem metallischen, leicht bitteren Geschmack, der sich aber durch kurzes Blanchieren vor der Weiterverarbeitung vermindern lässt.

Ebenso wird durch das Blanchieren des Spinats der Nitratgehalt um 40 bis 70 Prozent gesenkt. Der hohe Nitratgehalt, den Spinat aufweist, ist es nämlich, der für die immer wieder neu aufkeimende Diskussion, ob Spinat aufgewärmt werden dürfe oder nicht, verantwortlich zeichnet.

Darf man Spinat aufwärmen?

Nitrat im Gemüse ist generell nicht ungesund. Ganz im Gegenteil. Nitratreiches Gemüse senkt den Blutdruck und fördert die Verdauung. Auch die Durchblutung wird angeregt. Nicht umsonst heißt es "Spinat macht stark" und auch der bekannte Seemann Popeye schlägt nach dem Verzehr einer Dose Spinat alle Muskelprotze. Eine Studie ergab, dass eine nitratreiche Ernährung sportlicher und leistungsfähiger macht. Nitrat ist also gesund.

Warum von vielen Wissenschaftlern dennoch vor zu hohem Nitratgehalt im Gemüse gewarnt wird, ist die Möglichkeit, dass sich das Nitrat in Nitrit oder in krebserregendes Nitrosamin umwandeln kann.

Beim Aufwärmen des nitrathaltigen Spinats kann es sein, dass das Nitrat während der Lagerung durch bestimmte Bakterien zu Nitrit umgewandelt wurde. Nitrit kann den Sauerstofftransport im Blut negativ beeinflussen.

Spinat aufwärmen

Ist aufgewärmter Spinat giftig bzw. gefährlich?

Für einen Erwachsenen kann die durch das Lagern und Wiederaufwärmen eventuell entstandene Nitritmenge nicht gefährlich werden. Die Menge ist so gering, dass sie den Sauerstofftransport der roten Blutkörperchen nicht merklich beeinflusst. Auch die Menge an Nitrosaminen, die aus dem entstandenen Nitrit gebildet werden kann, ist nicht höher, als die Menge die beim Grillen von Fleisch oder beim Räuchern entsteht und von den meisten Menschen doch bedenkenlos verzehrt wird.

Außerdem braucht Nitrit um sich in Nitrosamine umwandeln zu können Aminosäuren. Diese Aminosäuren sind aber nicht in jeder Spinat-Mahlzeit vorhanden. Wer ganz sicher gehen will, der sollte seinen aufgewärmten Spinat nicht gleichzeitig mit Fischprodukten verzehren. Denn in Fischprodukten sind diese Aminosäuren in größeren Mengen enthalten.

Für Kleinkinder bis sechs Monate kann das Aufwärmen von Spinat unter Umständen gefährlich werden. Da Babys ein viel geringeres Körpergewicht haben, kann die Nitritmenge, die durch das Aufwärmen im Spinat entstehen kann, eventuell zu "Blausucht" führen. Bei Blausucht besteht für den Säugling Erstickungsgefahr.

Die Blausucht kann sich entwickeln, wenn das durchs Aufwärmen entstandene Nitrit die roten Blutkörperchen (Hämoglobin) in Methämoglobin umwandelt. Während das Hämoglobin den Sauerstoff zu den Zellen transportiert, ist der durch Umwandlung entstandene Stoff Methämoglobin dazu nicht in der Lage. Für Säuglinge kann daher auch schon die kleine Menge Nitrat im Spinat verheerende Folgen haben.

Spinat aufwärmen: Ja oder Nein?

Verantwortungsvolle Eltern werden natürlich aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse für ihre Kleinen den Spinat nicht aufwärmen. Für Erwachsene ist jedoch der Verzehr von aufgewärmtem Spinat unbedenklich, und wenn zusätzlich einige Vorsichtsmaßregeln beachtet werden, so ist selbst der aufgewärmte Spinat gesund und macht stark!

Da die Bakterien, die das im Spinat enthaltene Nitrat in Nitrit umwandeln sich nur bei Wärme bilden, sollte der restliche Spinat vom Mittagessen möglichst schnell in den Kühlschrank gegeben und auch erst kurz vor dem Aufwärmen wieder herausgenommen werden. Dann ist die Möglichkeit der Umwandlung von Nitrat in Nitrit gleich null.